Sebastian Reichel: Wie rede ich mit einer Partei? Erfahrungen zum Relaunch der SPD.de

Sebastian Reichel, Parteivorstand der SPD und verantwortlich für Internet und interne Medien referiert im Track Internet beim i2 SUMMIT am 21. November in Zürich. Der Vortragstitel lautet “Wie rede ich ich mit einer Partei? Erfahrungen zum Relaunch der SPD.de”. Was sich dahinter verbirgt, verrät er uns im Interview:

1) Herr Reichel, was waren die Gründe für den Relaunch der SPD.de?

www.spd.de wurde 2010 mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 neu konzeptioniert und auf CoreMedia gelauncht. Hauptziel des Konzepts war eine Umstellung der Content Strategie von einer reinen Verlautbarungsplattform zu einer lebendigen Abbildung der Partei insgesamt und die Integration der bereits existierenden Dialogplattform meinespd.net. Mit dem Relaunch 2012 wurden neue Designvorgaben umgesetzt, die Schwerpunktbildung auf der Startseite angepasst und die Integration der Plattform in die sozialen Medien erhöht. Eine spezielle Anforderung war die Bereitstellung eines niedrigschwelligen Zugangs zum Bürger Dialog der SPD.

2) Wie wurde dem Anspruch der Dialogfähigkeit mit dem Thema Content Management nachgekommen? Sind jetzt alle Inhaltsbausteine der Website grundsätzlich “teilbar” und “kommentierbar”?

Dialogische Angebote wurden bereits im Wahlkampf 2002 eingeführt, damals noch beschränkt auf eine kleine Gruppe technikaffiner Wahlkampfhelfer. 2005 bildeten die „Roten Blogs“ die Voraussetzung für einen dezentral geführten Wahlkampf. Die Erfahrungen aus der bereits erwähnten Community meinespd.net und der Unterstützerplattform wahlkampf09.de flossen direkt in das Konzept von spd.de ein. In der ersten Phase wurde ein profilbasierter Extranetbereich geschaffen, der die Interaktion auf der Plattform ermöglicht. Kommentierbarkeit von Inhalten und Sharebarkeit von Artikeln gehören mittlerweile zu gelernten und selbstverständlichen Funktionen. Ein SPD Widget ermöglicht das Verteilen in die regionale SPD Landschaft. Zentraler als der technische Relaunch war allerdings die Änderungen in den internen Strukturen des Willy-Brandt-Hauses. Ein 8 Köpfiges Newsdeskteam betreut den Auftritt und organisiert das Communitymanagement und den Dialog in den sozialen Medien. Mit dem Relaunch 2012 wurde die Möglichkeit geschaffen kleinteiliger zu sharen. Einzelne Bilder und Funktionalitäten sind nun einbett- und teilbar. Response zum Bürgerdialog wird beispielsweise über ein teilbares Kontaktformular eingesammelt und über eine eigens geschaffene Datenbank strukturiert und aufbereitet.

3) Welche Herausforderungen stellen die Social-Features für das Konzept des Content-Management?

Die Herausforderung besteht weniger in der Implementierung technischer Lösungen als in der Öffnung von Kommunikationskultur und Entscheidungsstrukturen. Reichweite und Dialog muss erarbeitet werden und dafür sind sogenannte Social-Features allenfalls Hilfsmittel. Inhalte verbreiten sich, wenn sie auf Interesse stoßen. Die Verbreitung orientiert sich nicht mehr ausschließlich an Nachrichtenwerten klassischer Massenmedien. Redakteure haben eine Vielzahl neuer Faktoren zu beachten und das können sie nur, wenn sie sich in den Sozialen Medien sicher bewegen. Sie müssen für ihre Inhalte kämpfen, einstehen und darüber diskutieren wollen. Technik kann lediglich Geschwindigkeit und die Übersichtlichkeit erhöhen. Dialog kommt zu Stande, wenn die Protagonisten Offenheit, Vertrauen und Umsetzungsbereitschaft verkörpern. Placebopartizipation wird schnell erkannt und nicht ernst genommen. Man kann Impulse technisch Einsammeln und Verarbeiten. In politische Prozesse ummünzen müssen das die politischen Mandatsträger.

 4) Was wird die Zukunft  für Portale wie SPD.de bringen?

Die SPD feiert im nächsten Jahr ihren 150. Geburtstag. www.spd.de existiert seit 1995, wird also nächstes Jahr gerade mal volljährig. Wenn Sie die Versionen der Plattform von Beginn an verfolgt haben, werden Sie feststellen, dass sie ständig an die aktuellen technischen Entwicklungen anpassen. Das werden wir auch weiter tun. Sie werden auch feststellen, dass sich die Plattform nicht unerheblich an der Entwicklung der Partei orientiert. Das wird sie auch weiter tun. Für den technischen Bereich werden die Entwicklungen in der mobilen Kommunikation sicher ein entscheidender Innovationstreiber sein, für den politischen, die jungen digital nativen Politiker, die immer stärker in Verantwortung wachsen.

 

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