Philipp Rosenthal (Infocentric): Die digitale Transformation ist kein Projekt einzelner Spezialisten, sondern muss in den Köpfen der Vertreter des Kerngeschäfts verankert sein!

Im Vorlauf zum i2 SUMMIT 2015 möchten wir an dieser Stelle wieder unsere Referenten und andere Experten zu Wort kommen lassen und haben hierzu ein paar Interviews in die Wege geleitet. Vor diesem Hintergrund freue ich mich über die schnellen Antworten von Philipp Rosenthal von Infocentric. Er ist uns sowohl als Person sowie auch als Mitglied der Geschäftsleitung von Infocentric kein Unbekannter, sondern als Person ein in der Schweiz und Deutschland anerkannter Experte für Kommunikation und die Revolution am digitalen Arbeitsplatz und mit seinen Kollegen bei Infocentric schon lange ein Unterstützer des i2 SUMMIT. In der Agenda von diesem Jahr übernimmt Philipp Rosenthal den “Inspirations-Slot” am Mittag und wir mit uns einige spannende Gedanken zu den Erfolgsfaktoren bei einem ganzheitlichen Ansatz der digitalen Transformation teilen.

Der i2 SUMMIT steht dieses Jahr ganz im Zeichen der digitalen Transformation bzw. seiner Umsetzung entlang Internet- und Intranet-Konzepten. Was sind für Sie die drei wichtigen Herausforderungen, denen sich die Unternehmen diesbezüglich stellen müssen?

Konvergenz. Management. Verantwortungsbewusstsein. Ich denke diese drei bringen es auf den Punkt.

Wenn man einen kritischen Blick auf moderne Internet-Angebote und die Zukunft des Digital Workplace wirft, wird schnell klar, dass beide Welten zusammenwachsen. Je mehr Interaktion zwischen externen und internen Stakeholdern über digitale Services abgebildet werden, desto weniger Sinn macht es, diese in separaten Welten zu betreiben. Diese Konvergenz im Sinne von Infrastruktur, User Experience & Sicherheit auf ein guten Fundament zu stellen, wird eine spannende Aufgabe für alle Beteiligten.

Der Aspekt des “Management” ist aus meiner Erfahrung deswegen wichtig, weil es aktuell nicht mehr am Commitment der “Leadership”-Funktionen (aka C-Suite) scheitert. CEO’s sind heute im Boot der digitalen Transformation. Auch COO und CFO haben (grossteils) ihren Stake gefunden. Das Ganze nun aber zum Leben erwecken ist eine Aufgabe im Kernprozess. Zu viele Manager sind mit Vernetzung, Transparenz und Agilität heute aber überfordert oder werden selber falsch gemessen. Denn es macht keinen Sinn von oben Effektivität zu predigen, dann aber im Tagesgeschäft Silos und Gärtchendenken zuzulassen.

Damit diese beiden Herausforderungen aus dem Weg geräumt werden können, braucht es auch an der Basis ein Umdenken. “Weg von meinem Tisch = erledigt” darf nicht mehr funktionieren. Jeder muss sich in Zukunft die Frage stellen: “Kann der Empfänger mit dieser Information von mir etwas anfangen? Kann der Empfänger seine Aufgabe mit meiner Hilfe so besser erledigen?”. Im Digital Workplace Umfeld kommt dazu, dass es klar sein muss, dass ein moderner, digitaler Arbeitsplatz nicht das Denken abnimmt. Die Intelligenz muss vor dem Bildschirm sitzen, nicht darin. Das darf aber nicht nur implizit vorausgesetzt werden. Den Mitarbeitenden muss diese Tatsache offen kommuniziert werden. Sie müssen verstehen, dass sie ein aktiver Baustein im Erfolg moderner Wissensarbeit sind.

Wie bewerten Sie die Umsetzung dieser Aspekte in Schweizer Unternehmen?

Bezogen auf rein Schweizerische Unternehmen kann ich das nicht richtig beurteilen, nachdem der Grossteil meiner Erfahrung aus internationalen Umfeldern kommt. Allerdings meine ich zu erkennen, dass der Grossteil der Unternehmen an der gleichen Schwelle steht. Jeder hat erkannt, wohin der Weg geht. Die meisten haben die Experimentierphase im Bereich Enterprise und Social Collaboration hinter sich. Nun wird es intern genau so ernst, wie es vor 5 Jahren in der externen Digitalisierung war. Der Druck ist gross und die Veränderungsprozesse nehmen überall Fahrt auf. Bei den einen schneller, bei den anderen langsamer. Stillstand erlaubt sich heute aber kein Unternehmen mehr – zumindest nicht in meinem Netzwerk.

Was sind für Sie die konkreten Erfolgsfaktoren für den ganzheitlichen Ansatz?

Dies Frage habe ich implizit oben bereits beantwortet. Man könnte noch hinzufügen, dass ein wesentlicher Erfolgsbaustein das “WIR” Denken sein wird. Die digitale Transformation ist keine Aufgabe für einen Chief Digital oder Chief Social Officer. Die digitale Transformation muss in den Köpfen der Vertreter des Kerngeschäfts einen festen Platz haben. Jeder Funktion – vom CFO bis zum Team-Leiter Accounting – muss es klar sein, in welcher Form Digitalisierung zu mehr Effektivität, Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit führen kann. Am Ende profitiert so automatisch der Kunde. Das ist der wahre Change Prozess. Dieser ist aber keine “Kampagne” am Ende eines Projekts. Er ist ein kontinuierlicher Prozess entlang der substanziellen Veränderung von Geschäfts- und Betriebskonzepten.

Haben Sie hierzu Unternehmen bzw. Fallbeispiele im Kopf, die dahingehend vorzeigbar sind?

Meine Rolle als Berater verbietet es hier leider offiziell Stellung zu beziehen.

Welche Erwartungen haben Sie an den i2 SUMMIT?

Inspiration. Lernen. Spannende Gespräche. Vielleicht das WOW-Erlebnis, wenn ich einen neuen grossen Meilenstein in der digitalen Transformation eines Unternehmens sehe!