Und – wie verstehen eigentlich Sie den Begriff des “Digital Workplace”?

Wie bereits in dem letzten Beitrag festgestellt – gibt es eine steigende Häufigkeit bei der Suche nach der Begrifflichkeit des “Digital Workplace” in der Schweiz. Auch in den Fachdiskussionen wird der Begriff zunehmend mit dem des “Intranet” gleichgestellt und vielfach auch als Synonym verwendet. Wie aber auch bereits dargelegt – ist die Verwendung des Begriffes durchaus sehr vielfältig – vom Synonym für den Relaunch des Mitarbeiterportals über eine mit Prozessanwendungen integrierte “Social Collaboration Plattform” bis zur Service-Infrastruktur mit digitalen Arbeitswerkzeugen (wie es Microsoft Office 365 darstellt).

In unserem heutigen Beitrag wollen wir uns daher noch einmal an eine Begriffsbestimmung wagen – aus zweierlei Perspektiven.

Digital Workplace – Begriffsbestimmung aus konzeptioneller Sicht

In einer schon leicht “angestaubten” Begriffsabgrenzung aus 2013 haben wir den “Digital Workplace” noch als höchste Stufe im “Intranet-Reifegrad” bezeichnet und als ein “um soziale Anwendungen erweitertes Mitarbeiterportal” bezeichnet:

Digital Workplace als erweitertes Mitarbeiterportal im Verständnis von 2013

Im Hinblick auf die verschiedenen technologischen Entwicklung und die Anforderungen an Agilität und individueller Arbeitsunterstützung ist die Einstufung “als höchste Stufe” aus heutiger Sicht wiederum fragwürdig. Vielmehr ist das Konzept heute weniger “integriert unter einer Anwendungsoberfläche” zu sehen – sondern vielmehr als Summe aller arbeitsunterstützenden Werkzeuge, die aus Sicht des einzelnen Mitarbeiter für die eigene Aufgabenerledigung optimal miteinander verknüpft und genutzt werden. Dieser Gedanke manifestiert sich so dann auch in der geläufigen Definition von James Robertson:

The #DigitalWorkplace consists of a holistic set of tools, platforms and environments for work, delivered in a coherent, usable and productive way.

Dion Hinchcliffe spricht in diesem Zusammenhang auch von dem “Digital Workplace Hub”:

Digital Workplace als Digital Collaboration Hub

Zentrales und integrierendes Element ist hierbei nun ein “Messaging Layer” – der in Form einer konkreten Anwendung wie z.B. Slack oder MS Teams daherkommt oder durch eine wechselseitige Verknüpfung der “Messaging-Dienste” der einzelnen Anwendungen realisiert wird. In einer Aufarbeitung unseres Verständnisses aus 2013 sehen wir daher den “Digital Workplace” als konzeptionellen Begriff in der Reifegrad-Betrachtung nur auf einer Vorstufe zu einem Plattform-Konzept für die digitale Arbeitsunterstützung:

Digital Workplace als Vorstufe zur Digital Enterprise Plattform

Digital Workplace – Begriffsbestimmung aus Sicht der Projektausrichtung

Verlässt man den Pfad der theoretischen Begriffsbestimmung und schaut auf das praktisch umgesetzte und gelebte Verständnis des Digital Workplace, dann ist statt der technologischen Feature-Merkmale vielmehr die übergeordnete Projektausrichtung als Diskriminator heranzuziehen. Denn im Kern will jedes Digital Workplace Projekt grundsätzlich die Kommunikationsflüsse und die Zusammenarbeit im Unternehmen verbessern – aber verfolgt dabei unterschiedliche Zielsetzungen. Und daran variiert dann die Ausgestaltung.

Im Rahmen der vorbereitenden Diskussionen zum IOM SUMMIT haben wir dazu jüngst einen Beitrag veröffentlicht, in dem wir drei Grundtypen bei der Projektausrichtung unterscheiden:

  • Digital Workplace mit der Zielsetzung „High-Performance-Organisation“: “Bei diesen Projekten soll durch eine Verbesserung der Kommunikationsströme und Zusammenarbeit die ‘Performance’ im Unternehmen gesteigert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei klare Verbesserungen in den bestehenden Geschäftsprozessen. Dabei geht es insbesondere um die Ineffizienzen bei der Informationsverteilung und Kommunikation im Unternehmen (z.B. E-Mail-Flut aufgrund von Verteilerlisten oder Doppelung von Geschäftstätigkeiten aufgrund von Intransparenz der Ergebnisse) wie auch der besseren Abstimmung über kürzere, ‘digital vernetztere’ Wege.
    Im Mittelpunkt dieser Konzepte steht eine starke Integration von Prozessanwendungen mit einer über Abteilungsgrenzen hinweg offenen und transparenten Kommunikationsschicht für die Verbesserung des Kommunikationsflusses.
  • Digital Workplace mit der Zielsetzung „Employee Experience“: “Die zweite Projektausrichtung hat seinen Ausgangspunkt bei dem HR-Problem des zunehmenden “Dis-Engagements” der Mitarbeiter und dem Wettbewerb um die Talente am Arbeitsmarkt. Um Mitarbeiter hoch motiviert bei der Stange zu halten, braucht es aus vielerlei Gründen heute ein positives Arbeitserlebnis – und hier werden die digitalen Arbeitswerkzeuge und Arbeitsmethoden zunehmend zu kritischen ‘Wohlfühlfaktoren’.
    Im Mittelpunkt dieser Konzepte steht ein für den einzelnen Mitarbeiter im Arbeitsablauf begeisterndes Nutzungserlebnis in der digitalen Zusammenarbeit – damit stehen z.B. UX-Faktoren über alle möglichen “Touchpoints” im Vordergrund.
  • Digital Workplace mit der Zielsetzung „Digital Transformation“: “Als dritte, aber derzeit hoch im Kurs stehende Ausrichtung gilt die Zielsetzung der Unterstützung der ‘digitalen Transformation’ im Unternehmen durch den Digital Workplace. Leider wird diese Zielsetzung in jüngsten Projektansätzen zwar bedeutsam vorangestellt, aber dann doch eher halbherzig verfolgt. Im Vordergrund steht bei diesem Ansatz, dass der ‘Digital Workplace’ als Hebel zur Unterstützung des Veränderungsprozesse bei der Digitalisierung des Unternehmens und seines Geschäftsmodells verstanden wird.
    Bei diesem Ansatz ist einmal mehr der verbesserte Kommunikationsfluss entscheidend – bzw. die Transparenz über die Veränderungen im Unternehmen.

Aber – wie sieht nun Ihr Verständnis vom Digital Workplace aus? Was ist die Kernidee hinter Ihrem Projekt – bzw. dem Ihrer Kunden? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren – oder beim i2 SUMMIT 2017!